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Die Ortschaft „Lockenricht“
Das
Dorf Lockenricht wurde wahrscheinlich wie alle Richtorte in dem Zeitraum vom 10.
bis 13. Jahrhundert angelegt.
Die meisten
dieser Richtorte stammen aus der Zeit der Besiedlung und Rodung der Urwälder in
unserem Raum in der Salisch-Staufischen Zeit etwa ab dem 7./8. Jahrhundert.
Unser
Dorf hieß früher Luckenriet (deutet auf eine von Sulzbach her gesehene Lücke
hin) der zweite Wortteil „-riet“ bedeutet so viel wie Rodung in dieser Lücke.
Im
Jahre 1603 wird Lockenricht erstmals unter seinem jetzigen Namen auf einer Karte
erwähnt.
Um
1710 wird Lockenricht als ein Dorf mit 9 bäuerlichen Anwesen beschrieben. Als
Hausnamen wurden damals genannt:
Bärenbauer,
Lenz, Scheck, Model, Hahnenbauer, Schwarz, Fuchs, Lehen und ein Hirtenhaus
(„Baumschneider“). Ein sehr schönes Teilstück einer Ofenkachel vom
verschwundenen Hirtenhaus habe ich beim Wasserleitungsbau 1949 gesichert!
Leider ist
die damalige Einwohnerzahl nicht bekannt.
Heute
sind es 16 Anwesen mit 66 Einwohnern, davon nur noch ein bäuerlicher
Vollerwerbsbetrieb.
Der Bahnbau
Einen
großen Einschnitt in die Ortsgeschichte von Lockenricht bedeutete der Bahnbau
zwischen Neukirchen-Weiden.
Er wurde im
Dezember 1873 in Angriff genommen und am 15. Oktober 1875 konnte die Strecke
schon eröffnet werden! Angesichts der schwierigen geologischen Verhältnisse für
die damalige Zeit eine Meisterleistung!
Für die
Einwohner von Lockenricht bedeutete dies ebenfalls für die Fluren im „oberen“
Dorf zum Teil eine große Veränderung, da Felder und Wiesen durchschnitten
wurden. Alte Wegen wie der „Hochsteigweg“
wurden aufgelassen und durch einen schienengleichen Bahnübergang ersetzt.
Der frühere
Hauptweg ins „Roßloh“ (Richtung Förderricht) musste bis auf ein paar hundert
Meter ganz stillgelegt werden (Im ältesten Kartenwerk eingezeichnet)
Zum Bahnbau
waren auch viele Arbeitskräfte aus Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt und auch
zum Teil im Dorf einquartiert.
Frosthaus
Im
Jahr 1956 wurde im Dorfmittelpunkt ein Frosthaus mit 10 Gefrierfächern angelegt.
Dies hatte eine Umstellung der Räucherware auf die Gefriertechnik zu folge, da
dadurch die Lebensmittel besser haltbar waren.
Doch durch
die Anschaffung von eigenen Gefriertruhen und Kühlschränken in den Haushalten,
war die Gemeinschaftsanlage überflüssig geworden und nach 20 Jahren aufgelöst.
Die Elektrifizierung der Ortschaft
Die
Versorgung des Ortes mit Elektrizität erfolgte 1928. Jedes Haus wurde mit
Freileitungen in den dazu gehörigen Dachständern versehen. Der Strom wurde über
Holzmasten von einer Trafostation aus dem so genannten „Klafferthal“ bezogen.
Die Spannung betrug 220/380V. Damit waren herkömmlichen Petroleumlampen und
mancher Kinnspann überflüssig geworden. Auch die zuvor verwendeten stationären
Benzinmotoren wurden durch moderne Elektromotoren ersetzt.
Der
fortgeschrittenen Technik war somit „Tür und Tor“ geöffnet.
Und brachte
eine erhebliche Erleichterung im Bereich der Landwirtschaft.
Die erste Wasserleitung für Lockenricht
Im
Frühjahr 1948 wurden die ersten Planungen und Arbeiten zur Wasserleitung in
Angriff genommen. Die Versorgung des Dorfes sollte von einer Karstquelle die 600
Meter entfernt im so genannten „Klaffertal“ liegt erfolgen. Der Rohrgraben wurde
allein von den Einwohnern Lockenrichts ausgehoben. Um die Arbeiten etwas zu
erleichtern wurde bis zur Tiefe von cirka einen Meter mit einem gewöhnlichen
Ackerpflug, mit einem Pferd davor, der Boden aufgelockert und anschließend mit
Schaufel und Spaten ausgehoben. Die letzten 60 cm im Rohrgraben, bei einer
Gesamttiefe von cirka 1,60 Meter mussten von Hand gelockert und entfernt werden.
Es war eine sehr anstrengende Arbeit. Technisches Gerät wie Bagger usw. waren
drei Jahre nach Kriegsende noch nicht zu haben.
Die Leitung
selbst mit Gussrohren von 100 mm Durchmesser, führte zu einem Hochbehälter von
50 cbm Inhalt, der noch gebaut werden musste. Es folgten dann die Hausanschlüsse
die ebenfalls durch Handarbeit ausgeführt wurden. Im Herbst 1948 war es
dann soweit, eine elektrische Kreiselpumpe an der Quellfassung förderte das
Wasser zum Hochbehälter, wo es dann im freien Gefälle zu den einzelnen
Entnahmestellen in den Haushalten lief. Die so genannten Hüllen und
Dachwasserbrunnen im Dorf gehörten nun mehr endgültig der Vergangenheit an.
Den Abschluss
dieser immensen Eigenleistung wurde mit einem großen „Wasserfest“ im Gasthaus
Bär Lockenricht gebührend gefeiert.
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